Burgarena Reinsberg

Reinsberg - NÖ — Revitalisierung ,

Kernstück der Anlage ist die weltweit einzigartige mobile und temporäre Überdachung des unteren Burghofes. Ein gebrauchter Autokran, der auf einem Stahlbetonfundament stationär aufgestellt ist, stellt das Herz der neuen Anlage dar. Sein hoch aufragender Gittermast trägt eine riesige elliptische Leichtkonstruktion (23,0 x 19,0m), die mittels Stahlseile am Boden verankert wird. Durch die Drehbarkeit des Autokranes sind verschiedene Positionen der Überdachung möglich.

Je nach Veranstaltungstyp und Lage der Bühne können entweder bis zu 500 Zuschauer oder die jeweilige Bühne überdacht werden. Durch die enorme Tragkraft des Kranes und die besonders leichte Bauweise des Daches ist die Konstruktion bis zu einer Windgeschwindigkeit von 120 km/h benutzbar. Das Dach selbst besteht aus Aluminiumfachwerkträgern, die mit weißer Kunststoffplane sowie einem darüberliegendem Regenzerstäubernetz bespannt sind. Die Konstruktion

ist sehr leicht zerlegbar und kann daher außerhalb der Spielzeit bequem abgebaut werden. Diese Lösung ist im Vergleich zu anderen mobilen Überdachungssystemen besonders kostengünstig. Während die Errichtungskosten bei konventionellen, textilen Dachsystemen ab öS 14.000.-/m2 betragen, sind dies für das Dachsystem der Burgruine Reinsberg etwa öS 4.000.-/m2 gewesen.

Unmittelbar angrenzend an den unteren Burghof wurde ein Infrastrukturgebäude mit Buffet, Küche, Büro und großer, überdachter Zuschauerterrasse im Erdgeschoß sowie Einrichtungen für den Aufführungsbetrieb und Lagerräumen in zwei Untergeschoßen errichtet. Das Gebäude besteht aus einer Stahlgrundkonstruktion mit leuchtend roter Holzfassade. Seine Gestaltung sucht sehr bewußt den Kontrast zum schweren Bruchsteinmauerwerk des Bestandes. Die langgestreckte Baukörperform bildet gleichsam eine

Kulisse für den Aufführungsbetrieb und läßt einen geschützten Hofbereich entstehen. Die an das Gebäude gestellte Servicebox mit Arbeitsplatz für das Betreuungspersonal und Küche liegt im Zentrum der Anlage und gewährleistet einen idealen Überblick.

Das Hauptgebäude und auch historisch älteste Teil der Burganlage wird in der Höhe des oberen Burghofes durch Stahl- betonstützen und balkonartige Stahlkonstruktionen ergänzt. Ein Durchbruch zum oberen Saal ermöglicht die leichte Begehbarkeit. Von diesen Balkonen bietet sich ein phantastischer Ausblick auf die tief darunter liegende Arena. Ebenfalls leuchtend rote Überdachungen dieser Balkone erinnern an die Symbolik von Zugbrücken und die farbliche Gestaltung von alten Burganlagen.

Das gesamte Projekt ist in Zusammenarbeit und mit Genehmigung des Bundesdenkmalamtes entstanden. Es wurde vereinbart, daß der Bereich des oberen Burghofes, der mit hoher Wahrscheinlichkeit noch zur Gänze unterkellert ist, in dieser Baustufe nicht verändert wird. Hier soll die Möglichkeit einer späteren Ausgrabung bestehen bleiben.

Die gesamte Anlage entspricht den behördlichen Auflagen zum Betrieb einer Spielstätte. Im Bereich des unmittelbar unterhalb der Burgruine gelegenen Sattels wurden ausreichend Stellplätze für Besucher errichtet. Die Anlage ist in all ihren Teilen beleuchtet, für den Theater- und Aufführungsbetrieb ist eine spezielle Bühnenausstattung vorhanden.

Am 8. August 2002 wird ein mehrjährig angelegtes Mozart- Opernfestival mit der Aufführung von Don Goavanni beginnen. Die Position der elliptischen Überdachung wird derart festgelegt, dass etwa 500 Zuschauer überdacht sind. Insgesamt werden 650 Zuschauer unter der mobilen und temporären Überdachung Platz finden.

Die fliegende, leuchtende Scheibe der Überdachung ist zum neuen Wahrzeichen von Reinsberg geworden.

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