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Wohnhausanlage St.Valentin

St.Valentin, NÖ
Neubau, 2016
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Niederösterreichische Wohnbaugruppe - WET
Wettbewerb 2. Platz

Städtebau
Die Lage des Grundstückes am Rande der Siedlung Süd von St.Valentin zeigt eine heterogene Bebauungsstruktur aus Einfamilienhäusern und großvolumigem Wohnbau. Die städtebauliche Ausrichtung der Baukörper ist im Wesentlichen orthogonal zum Straßenverlauf, lediglich die Ausfallstraßen (Ahrenberger Straße und Reidlinger Straße) durchschneiden schrägwinkelig das Gebiet. Es lag daher nahe, die neuen Baukörper der bestehenden orthogonalen Struktur anzupassen. Durch diese Anordnung und die daraus folgende Entscheidung drei hakenförmige Laubengang-Gebäude zu errichten, entstehen gut belichtete nach SO und SW orientierte Wohnungen. Dabei ergeben sich weiters zwei großzügig dimensionierte Höfe, die als Kommunikationszone und Spielplätze hervorragend geeignet sind. Die Baukörper schließen diese Innenhöfe atmosphärisch gegen die Straße ab, die sich zwar heute noch als ruhige Anliegerstraße präsentiert, jedoch bei Ausdehnung des Siedlungsgebietes durchaus mehr Verkehr mit sich bringen wird. Dem südlich gelegenen größeren Baukörper am Nachbargrundstück werden durch diese Anordnung auch nur die Schmalseiten der neuen Gebäude zugewandt. Dadurch entstehen auch hier keine Engstellen und Sichtbehinderungen. Der Entwurf bezieht sich in seiner Ausformung hinsichtlich Gebäudehöhe auf den §53 (10) NÖBO, in dem ausdrücklich die Anordnung von Kreuzdächern sowie die Anordnung von Giebelfronten erlaubt sind. Jedes Gebäude darf somit 4 Giebelfronten haben, die sinngemäße Anwendung bei zurückgesetzten Geschossen ist ebenfalls ausdrücklich erlaubt.

Verkehr und Erschließung
Entlang der straßenseitigen, kurzen Frontgebäude führt ein interner Erschließungsweg, der einerseits die drei Stiegenhäuser verbindet, andererseits zu einer kommunikativen Atmosphäre zwischen den beiden Höfen und bei den Bewohnern selbst führen wird. Alle erforderlichen Nebenräume (Müll, Fahrräder, Kinderwägen) sind in einem eigenen Bauteil jeweils im Eingangsbereich der drei Gebäude untergebracht. Die drei Gebäude selbst werden durch kurze Laubengänge erschlossen. Der Anteil an Laubenganglänge/Wohnung und Geschoss beträgt deutlich unter 4m (= 24m/6 bzw. 7 Wohnungen). Im beiliegenden Gebäudedatenblatt wurde die Berechnung des Ausnutzungsfaktors (BRI/WNF) in drei Varianten dargestellt, da allein die geforderte Anzahl der PKW-Abstellplätze und damit die Größe der Tiefgarage wesentlichen Einfluss auf die Größe dieses Faktors besitzt. Unter der Annahme von nur einem Stellplatz/Wohnung lt. NÖ BO liegt der Faktor bei 5,15m (24.700,71m3/4.796,45m2), bei verpflichtender Anordnung von 2 Stellplätzen /Wohnung bei 6,27m. Alle Wohnungen mit Gartenanteil besitzen einen Zugang zu jeweils einem Weg, der die Entsorgung von Rasenschnitt und die Betreuung der Gartenflächen ermöglicht. Die Tiefgarageneinfahrt befindet sich im östlichsten Grundstücksteil an der Umkehrfläche der Sackgasse. An dieser entlang sind 5 Besucherparkplätze sowie ein Behinderten-Stellplatz untergebracht.

Funktion
Das Grundstück ist bis auf Restflächen an den Grundstücksgrenzen durch die hohe Anzahl geforderter und durch Verordnung im Bebauungsplan festgeleg-ter Stellplätze weitestgehend bebaut. Dadurch können jedoch insgesamt 140 Stellplätze für 70 Wohnungen untergebracht werden. Die verbleibenden Flächen für Einstellräume und Technik liegen unmittelbar neben den Stiegenhäusern. In den Randbereichen, vor allem im Osten und Westen des Grundstückes, aber auch entlang der Straße sind Baumpflanzungen möglich. Im Erdgeschoss und den Obergeschossen wurden Zwei-, Drei- und Vierzimmerwohnungen im gewünschten Mix angeordnet. Diese folgen einem bewährten Grundriss-Layout, das über jeweils kurze Erschließungsgänge alle Räume der Wohnung erschließt. Die Küchen sind jeweils dem Wohnraum zugeordnet. Alle Wohnungen besitzen entweder eine Terrasse oder einen Balkon, die mit einer Windschutzverglasung ausgestattet sind. Durch die Anordnung von drei Gebäuden sind diese auch in Bauabschnitten errichtbar. Lediglich die Tiefgarage sollte aus Gründen der Dichtigkeit und Statik in einem Zuge errichtet werden.

Gestaltung
Das Projekt bleibt formal und gestalterisch den Grundsätzen des sozialen Wohnbaus in Niederösterreich verpflichtet. Durch die Anordnung von Einzelfenstern wird dem Mauerwerk und dem damit gebildeten Volumen große gestalterische Bedeutung gegeben. Die Baukörper sind derart gestaltet, dass es entlang der Straße (Norden) zu Ausbildung von „Kopfbauten“ kommen kann. Diese zeichnen sich durch eine dynamisierte Symmetrie aus, da in der Erdgeschosszone jeweils der Baukörper mit den Nebenräumen eingeschoben und damit auch der Eingangsbereich besonders betont wird. Die im Sinne des §53 (10) notwendigen Rücksprünge an den Gebäudekanten der Obergeschosse betonen diese Dynamisierung nochmals. Es sind im Grunde kleine, gestalterische Gesten in einer einfachen, dem Zweck angemessenen Architektursprache, doch gerade diese überzeugen durch ihre Feinheit und gestenhafte Wirkung. Eine formale antagonistische Ergänzung des Prinzips Mauer-Loch-Fassade wird durch die Gestaltung der Laubengänge erzielt. Diese sind vorhangartig über die jeweiligen Obergeschosse mit Lamellen verkleidet und besitzen fensterartige Ausschnitte, die Ein- und Aussicht gewährleisten. Als Material wird vorzugsweise Holz angenommen, im Hinblick auf die Problematik der Lebensdauer und Pflege ist jedoch auch beschichtetes Aluminium vorstellbar. Gleiches gilt für die Ausbildung der Sonnenschutzpaneele vor den Fenstern.

Außenraum
Die bereits erwähnten Höfe der Wohnhausanlage bilden den zentralen, gestal-terischen Schwerpunkt der Gartenanlagen. Durch die Öffnung nach Süden und ausreichend große Abstände der Gebäude zueinander werden die innenliegenden Freiräume ganztätig besonnt. Durch die Anordnung von Gebäude-zeilen sind die Höfe von den meisten Wohnungen bzw. von den gegenüber liegenden Laubengängen hervorragend ein- und übersehbar. Die Eigengärten der Wohnungen des Erdgeschosses sind jeweils, wie beschrieben, über einen allgemein zugänglichen Weg erschlossen. An der Sackgasse zur Garagenein- und ausfahrt besteht die Möglichkeit, die Besucherparkplätze anzuordnen.

Technik
Das Projekt erfüllt in technischer Hinsicht selbstverständlich alle Kriterien der NÖ Wohnbauförderung und ist somit zur Gänze und mit voller Punkteanzahl förderbar. In statischer Hinsicht wird vorgeschlagen, die Tiefgarage als dichte Wanne auszubilden und die darüber liegenden Geschosse in Ziegelbauweise zu errichten. Die Stahlbetondecken werden als linear oder kreuzweise bewehrte Platten zwischen den tragenden Scheiben ausgebildet. Die gesamte Anlage ist im Achsraster der Tiefgarage konstruiert (1,30m). Für die Dämmung wird wohl aus Kostengründen eine Vollwärmeschutzfassade notwendig sein. Sämtliche Fenster können in Kunststoff, jedoch mit Aluminiumdeckschalen ausgeführt werden.