schließen

Wohnhausanlage Mistelbach

Mistelbach, NÖ
Neubau, 2018
schließen

Fertigstellung 2018
NÖ Friedenswerk Gemeinnützige SiedlungsgmbH
Wettbewerb 1. Preis

Städtebau
Die Lage des Grundstücks ist geprägt von seiner absoluten Siedlungsrandlage und der daher durchaus spektakulären Aussicht auf die umliegende, hügelige Landschaft des Weinviertels. Die Bestandsbauten auf der angrenzenden Liegenschaft im Süden zeigen das typische Erscheinungsbild der 80-er und 90-er Jahre, Spänerlösungen mit wenig Rücksicht auf die Topographie des Grundstücks und einer für diese Zeit typischen Dacharchitektur. Der vorliegende Entwurf reagiert hingegen auf die deutliche Hangsituation und ordnet die Gebäude parallel zum Hangverlauf an. So entstehen ebene Zwischenflächen, die als Eigengärten und öffentliche Bereiche bestens genützt werden können. Die Knickungen in den einzelnen Baukörpern, die im wesentlichen Nord-Süd ausgerichtet sind, reagieren nicht nur auf die somit bessere Belichtung der einzelnen Wohnungen im Tagesverlauf, sondern weiten den Blick aus den Zwischenhöfen in die umgebende Landschaft, aber auch in die Zwischenzonen selbst. Die Geländesprünge um jeweils ein Geschoss werden geschickt in die Häuser verlegt, sodass hangseitig jeweils ein gut nutzbares Halbgeschoss mit Einstell- und Nebenräumen entsteht. Der besonders hohen Anforderung an Stellplätze im Verhältnis 1:2 kann somit in einer dem Hangverlauf folgenden 2-geschossigen Tiefgarage entsprochen werden.

Baurecht
Durch die Neufassung der NÖ Bauordnung im Jahr 2014 ist es möglich geworden, in Abhängigkeit von der Bauklasse jeweils eine Geschossanzahl der Zahl der Bauklasse entsprechend und zusätzlich ein Hauptgeschoss anzuordnen. §53(10) NÖBO: „Bei Giebelfronten von Satteldächern, Pultdächern und Kreuzdächern müssen nur die Traufenpunkte der Gebäudefront der Bebauungshöhe oder der höchstzuläs-sigen Gebäudehöhe entsprechen. Die berechnete Höhe der Giebelfront darf die Bebauungshöhe oder höchstzulässige Gebäudehöhe bis zu 3m überschreiten.“ Somit ist lediglich an den jeweiligen Ecken der Gebäude eine Ausnehmung von etwa 1,00m anzuordnen. Hier können nach §53(7) untergeordnete (nicht raumbildende) Zierglieder angeordnet werden. Das Kreuzdach mit 4 Giebelflächen und einer sinngemäßen Umsetzung mit zurückgesetztem Geschoss ist ausdrücklich erlaubt. Die im Projekt angeordneten Balkone an den Ost- und Westseiten bleiben von der Bemessung der Gebäudehöhe unberührt und zählen auch nicht zur bebauten Fläche.

Erschließung/Verkehr/Außenanlagen
Die Wohnhausanlage mit insgesamt 113 Wohnungen wird sowohl über die südliche Georg Göstl-Straße als auch über die östliche Franz Bayer-Straße mit PKWs erschlossen. Dort befinden sich auch die Einfahrten in die beiden Ebenen der Tiefgarage mit insgesamt 226 Stellplätzen sowie die beiden großen Müllräume. An der Pater Helde-Straße und am nördlich gelegenen, neuen Fußweg befinden sich fußläufige Erschließungen in die jeweiligen Häuser bzw. in die Tiefe des Grundstücks. Die Außenanlagen werden zu einem großen Teil durch die den EG-Wohnungen vorgelagerten Eigengärten gebildet. Die Verschwenkung der Baukörper und die sich daraus ergebende Graphik der inneren Erschließung lassen jeweils dreiecksförmige Knotenpunkte entstehen, die idealerweise als kleine, gemeinschaftliche Treffpunkte und Spielplätze genutzt werden können. Eine dem Hangverlauf folgende, fußläufige Haupterschließung in Ost-West-Richtung überwindet die Geländestufen mit Stiegenanlagen, aber auch mit barrierefreien, mäandrierenden Rampen in räumlich besonders interessanter Ausformung. Das Befahren des Grundstückes selbst ist nicht vorgesehen.

Wohnungen/Funktionen
Durch die dem Hangverlauf folgende Anordnung der einzelnen Häuser entstehen kompakte Baukörper mit gut belichteten Stiegenhäusern und Ost-West gerichteten Wohnungen. Durch die Verschwenkung der Gebäudeenden verbleiben nur insgesamt 18 Wohnungen mit leichter NO-Ausrichtung. Im Schnitt werden etwa 23 Wohnungen mit einem Aufzug erschlossen. Den Wohnungen selbst ist jeweils ein durchgehender Balkon vorgelagert. Die Grundrisse zeichnen sich durch extrem geringe innere Erschließungsflächen aus. Diese Ersparnis hat zur Folge, dass die Wohn-Essbereiche mit Küche die gesamte Wohnungstiefe nutzen können und somit im Verhältnis großzügige Lebensbereiche entstehen. Auf die bis vor Kurzem noch aktuellen Intimschwellen von Wohn- zu Schlafzimmern sowie Sanitärräumen wird zufolge zunehmend aktueller Bewohnerstrukturen (Singles, AlleinerzieherInnen, ...) bewusst verzichtet.
Die Fahrrad- sowie Kinderwagenräume wie auch die Einstellräume liegen jeweils idealerweise hangseitig im Erdgeschoss und sind somit auf dem Weg in die Tiefgarage bestens erreichbar. Das jeweils um ein Geschoss tiefer liegende Ost-Dach der Häuser 1, 2 und 5 kann als Gemeinschaftsterrasse genutzt werden.

Gestaltung
Die Baukörper werden entsprechend ihren Grundrissen an den Ost- und Westfassaden geprägt durch die Anordnung von gestalterisch horizontal wirksamen Balkonen. Diese erhalten vorhangartige Beschattungs- und Intimflächen. Trennwände zwischen den einzelnen Wohnungen ergänzen diese Lebensbereiche. Es ist angedacht, die gesamten Balkonfassaden durch Kletterpflanzen begrünen zu lassen. Im Kontrast dazu werden die Stirnflächen der Häuser als klassische Lochfassaden ausgebildet. Die dynamische Ausformung der Gebäudevolumina zusammen mit der transparent und tiefenwirksamen Gestaltung der Balkonfassaden garantiert ein lebenswertes und erholsames Wohnumfeld. Für experimentelle Gestaltungsformen wurde – nicht zuletzt im Hinblick auf die Errichtungskosten – bewusst verzichtet.

Technik
Die Anordnung einer großen Tiefgarage macht die Gründung der Gesamtanlage mit einer wasserdichten Wanne unumgänglich. Die aufgehenden, nicht erdberührten Wände werden in konventioneller Ziegelbauweise kostengünstig errichtet. Die durchgehenden Balkonplatten werden als Stahlbeton-Fertigteile in die tragenden Decken mittels Iso-Körben eingebunden. Alle Dächer werden als Flachdächer ausgebildet. Die Wohnungen selbst werden neben dem allgemein üblichen Standard mit Wohnraumlüftungen mit Wärmerückgewinnung im Sinne der Bestimmungen der NÖ Wohnungsförderung ausgestattet.