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Wohnhausanlage Himberg

Himberg, NÖ
Neubau, 2011
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Wettbewerbsbeitrag 2011
FRIEDEN - Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft

Trotz der hohen Anzahl an geforderten Wohnungen und einer 70-prozentigen Verbauungsmöglichkeit prägen drei wesentliche Grundgedanken den vorliegenden Entwurf:
1. Angemessene Freiräume: Jede Wohnung besitzt im EG einen möglichst großen Gartenanteil oder in den Obergeschossen eine der Wohnung vorgelagerte großzügige Loggia.
2. Orientierung zur Sonne: Alle Wohnungen, Loggien und Eigengärten sind nach Süden orientiert.
3. Quartiersbildung: Durch die Anordnung von dem pannonischen Raum nachempfundenen Streckhof-Bebauungen gelingt nicht nur die Schaffung von gut dimensionierten, privaten Freiräumen sondern vor allem von zwei zentralen Quartiersplätzen mit wichtigen sozialen Funktionen.
Die stadträumliche Qualität des Siedlungsgebietes an der Hinteren Ortsstraße ist geprägt durch die traditionelle pannonische Bauweise der Streck- oder Hakenhöfe. Dadurch entsteht an den Straßenfronten das typische, dynamische Nebeneinander von trauf- und giebelständigen Hauptgebäuden und daneben gesetzten, eingeschossigen Hofmauern mit Toröffnungen. Die Schaffung von solchen kleinräumlichen, gut wahrnehmbaren Wohnquartieren im wahren Sinn der Bedeutung des Wortes war den Verfassern daher ein besonderes Anliegen. Giebelständige Hauptgebäude an den Straßenfronten der Hinteren Ortsstraße und der Grenzackergasse wechseln daher mit dazwischen liegenden Begrenzungsmauern, schaffen derart ruhige, beinahe intime Außenräume, die ideal nach Süden bzw. Südwesten orientiert sind. Damit treffen diese Gebäude trotz der dichten Verbauung den Maßstab des Ortes. Das Bezugsniveau der Wohnhausanlage wird etwa 50cm über die angrenzenden Straßen angehoben, sodass Privatheit auch gegenüber dem Straßenraum entsteht. Sozialer Wohnbau hat heute aufgrund ökonomischer Zwänge schnörkellose und zweckgerichtete Architektur zu vertreten. Angemessen qualitätvolle Materialien und kompromisslose Optimierung der Erschließungsstrukturen im Hinblick auf Errichtungs- und Betriebskosten geben den Rahmen vor. Ein klares, dem Spannsystem der Tiefgarage entsprechendes Tragraster von 260cm durchzieht ohne Unterbrechung die gesamte Anlage. Das Leitmotiv der Gestaltung waren die Loggienkonstruktionen vor jeder Wohnung, die im Wechsel mit den körperlich wirkenden „Kopfbauten“ im öffentlichen Straßenraum ein kraftvolles und einprägsames Erscheinungsbild ergeben. Kräftige Farben im Wechsel mit dem Weiß der Fassadenkonstruktion kontrastieren mit dem Farbton der Sonnenschutzkonstruktionen der Fenster. Beim Entwurf wurde besonderer Wert auf kostensparende Erschließungssysteme gelegt. Im zeitgemäßen Wohnbau mit reduzierten Betriebskosten (Aufzüge) kommen dem Grunde nach nur mehr zwei System in Frage, Laubengangerschließung und Zentralstiegenhaus. Aufgrund der Notwendigkeit der kompakten Staffelung und Südausrichtung wurde ersteres konsequent angewandt. Durch die Anordnung von acht Bauteilen mit 104 Wohnungen entstehen im Sinne der Wohnungsförderung insgesamt vier gut planbare Bauetappen. Jeder Bauteil wird nur durch ein Stiegenhaus bzw. einen Aufzug erschlossen. In den Häusern erleichtert der offene Laubengang die Anwendung der 40m-Regelung bei den Fluchtwegen. Alle Wohnungen wurden im Sinne eines offenen Wohnkonzeptes mit Küchen im Raumverband mit dem Wohnzimmer gestaltet. Für die hauptsächlich geforderten 3-Zimmer-Wohnungen (53% aller angebotenen Wohnungen) wurden zwei grundsätzlich verschiedene Typen entwickelt – eine Geschosswohnung mit etwa 76,00 m2 sowie eine sehr kompakte Maisonette mit etwa 70,00 m2. Weiters wurden an den Kopfenden der Laubenganghäuser jeweils die ökonomisch zu erschließenden 4-Zimmer-Wohnungen angeordnet. Die gesamte Anlage ist mit einer unterirdischen Tiefgarage und einer zentralen Ein- und Ausfahrt an der Hinteren Ortsstraße erschlossen. Alle oberirdischen Erschließungswege sind derart angelegt, dass Einsatz- sowie Servicierungs-fahrzeuge problemlos alle Stellen der Anlage erreichen können (Durchfahrbarkeit mit Feuerwehrfahrzeugen). Die Müllräume sind außerhalb der Wohngebäude entlang der Nord-Süd-Magistrale angeordnet, um eine rasche Entleerung mit kurzen Wegen zu ermöglichen. Fahrradräume stehen sowohl in den Freibereichen als auch im Tiefgeschoss zur Verfügung, Einstellräume und Kinderwagenräume jeweils im Keller in unmittelbarer Nähe der Erschließungskerne. In der Unterkellerung des Hauses A wird eine zentrale, biogene Heizanlage errichtet. Mehrere Kessel ermöglichen einen wirtschaftlichen Betrieb auch vor Erreichen des Vollausbaues. Die Heizanlage wird unterirdisch errichtet, um Störungen aus dem Betrieb zu vermeiden. Der zugehörige Pelletsraum liegt unmittelbar darüber im Erdgeschoss. Die Wohnhäuser sind gemäß den Richtlinien als 100-Punkte-Häuser geplant. Die Bedingungen zur schwellenlosen Ausstattung der Allgemeinbereiche (5 Punkte) sowie Bauen im Bauland Kerngebiet (10 Punkte) sind in der ganzen Anlage erfüllt. Die Voraussetzungen für barrierefreies Bauen im Sinne der Wohnungsförderungen sind darüber hinaus ebenfalls gegeben. Die vorgeschlagene Bebauung lässt sich im Kellerbereich nur mit wasserundurchlässigen Stahlbetonkonstruktionen ausführen. Die Bauteile ab dem Erdgeschoss werden in Massiv-Ziegelbauweise ausgeführt, als Deckensysteme kommen entweder Fertigteil-Massivdecken oder Ortbetondecken zum Einsatz. Spannweiten sind im Hinblick auf Sparsamkeit optimiert, die gesamte Anlage ist in einem Konstruktionsraster von 5,20m bzw. 10,40m (2 bzw. 4 Stellplätze) geplant. Die Fensterkonstruktionen werden als Kunststoffkonstruktionen ausgeführt, als Wärmedämmung kommt ein VWS-System zum Einsatz. Sämtliche Oberflächen und Ausstattungen entsprechen dem Standard des Bauherrn bzw. dem des sozialen Wohnbaues in NÖ. Die Beheizung erfolgt mittels einer biogenen Heizanlage (Pelletsheizung), sämtliche Wohnungen sind mit einer Wärmerückgewinnungsanlage ausgestattet.