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Wohnhausanlage Eybnerstraße

St.Pölten, NÖ
Neubau, 2014
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Wettbewerbsbeitrag 2014
FRIEDEN - Gemeinnützige Bau- und Siedlungsgenossenschaft

Die Lagegunst der alten Remise sowie die geringe zulässige Verbauungsdichte auf diesem Grundstücksteil legen es nahe, an dieser Stelle das Zentrum der Geschäftsflächen und somit auch die öffentlichen Parkplätze anzuordnen. Die Erschließung dieser hochwertigen Geschäftsflächen erfolgt unmittelbar von diesen Parkplätzen aus. Dem Verbrauchermarkt ist eine überdachte Arkade vorgeordnet, den Flächen in der alten Remise wird die Möglichkeit gegeben, Gastgärten vor dem Haus anzuordnen. Die im Flächenwidmungsplan verankerte Durchgangsmöglichkeit führt idealerweise von der Eybnerstraße durch den Innenhof auf diesen zentralen Platz, jedoch deutlich privaterer Natur als im Erstvorschlag. Weiters wird vorgeschlagen, die Daniel Gran-Straße vor der alte Remise ausschließlich dem gekrümmten Straßenverlauf folgen und T-förmig in die Herzogenburgerstraße einmünden zu lassen. So entsteht vor der alten Remise mit ihren Geschäftsflächen die Möglichkeit, einen direkt angebundenen öffentlichen Freiraum mit einem schon angesprochenen Gastgarten zu gestalten. Dem Flächenwidmungsplan folgend wird grundsätzlich die Errichtung einer Blockrandverbauung vorgeschlagen, wobei bei der Anordnung der ergänzenden Baukörper im inneren Bereich des Grundstückes das Augenmerk auf zwei Innenhöfe mit weiten Blickbeziehungen (ca. 40,0m) gelegt wird. Die jeweils einhüftigen Baukörper mit aufgeweiteten Spänererschließungen werden im zentralen Grundstücksteil durch einen weiteren einhüftigen Bauteil mit gleicher Erschließung ergänzt. Somit entstehen beinahe ausschließlich zum Innenhof orientierte Wohnungen bzw. gut belichtete Ost- und Westwohnungen. Der Innenhof wird in einem kleinen Ausmaß für Eigengärten, zum überwiegenden Teil als Spielplatz benutzt. Die Dachfläche über dem Verbrauchermarkt wird ebenfalls begrünt und für Eigengärten verwendet. Die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt über die Herzogenburgerstraße. Durch die notwendige Geschoßhöhe des Verbrauchermarktes wird vorgeschlagen, das Innenhofniveau sowie jenes des Erdgeschosses um etwa 1,50m zu heben, sodass nicht nur das 1. Obergeschoss niveaugleich durchgeführt werden kann, sondern auch die EG-Wohnungen an der Herzogenburgerstraße und Eybnerstraße deutliche Distanz vom Gehsteigniveau erfahren. Die Erreichung der geforderten Wohnungsanzahl von 123 ist daher innerhalb der bestehenden Verbauungsdichte von 1,0 möglich.

Die alte Remise als durchaus symbolisches Bauwerk für diesen Stadtteil St.Pöltens gibt zu einem nicht unbedeutenden Teil die gestalterischen Rahmenbedingungen des Projektes vor. Solidität und urbane Geborgenheit waren die wesentlichen Begriffe bei der Entwicklung der Formen- und Farbensprache des Projektes. Die vorgeblendete Ziegelfassade erinnert in ihrem cremigen Weiß an klassische Industriearchitektur, ohne jedoch klare, moderne Strukturen vermissen zu lassen. Das Wechselspiel von im Ausbauraster von 1,30m (Tiefgarage) angeordneten schmalen und breiten Fenstern wird durch die Anordnung von hinter der Fassadenebne liegenden Loggien ergänzt. Diese „eingeschnittenen“ Loggien wurden einer durchgehenden Lösung vorgezogen, da sie zum Einen den städtebaulichen Rahmenbedingungen im Gegensatz zu Balkonen oder den erwähnten durchgehenden Loggien wesentlich besser entsprechen, zum Anderen die Möglichkeit bieten, die Wohnnutzfläche sehr wirksam zu optimieren.

Neben der bereits erwähnten Anordnung der Geschäftsflächen rund um die alte Remise und damit der Schaffung eines neuen Zentrums erfolgt der Zugang zu den einzelnen Stiegenhäusern jeweils von den umschließenden Straßen aus. Kinderwagen- und Müllräume sind jeweils im EG direkt bei den Zugängen angeordnet. Sämtliche Zugänge sind barrierefrei ausgebildet, die Überwindung des Geschoßsprunges aufgrund des Verbrauchermarktes erfolgt durch Durchlade-Lifte. Die Anlieferung des Verbrauchermarktes wurde an der Daniel Gran-Straße angeordnet. Die Verkaufsfläche selbst ist idealtypisch angeordnet und kann über die Eingangssituation bei der alten Remise hervorragend bedient werden. Die Kassenanordnung kann mit Blick ins Freie sowie die Kundenführung mit einem Windfang angeordnet werden.

Das Projekt entspricht hinsichtlich aller zu erfüllenden Punkte dem Pflichtenheft der NÖ Wohnungsförderung. Das 100-Punkte-Haus kann somit als übererfüllt betrachtet werden. Das Gebäude ist in Massivbauweise mit quer zu den Wohnungstrennwän-den gespannten Decken konzipiert. Diese sind als tragende Konstruktionen im Raster der Tiefgarage von 1,30m angeordnet. Die Außenmauern sind ebenfalls in Massivbauweise konzipiert. Die durchgehende Anordnung von französischen Fenstern und Glasgeländern sichern die notwendige Besonnung und Belichtung. Durch die Anwendung der OIB-Richtlinie, die im Sommer dieses Jahres in NÖ in Kraft treten wird, können die Wohnungen zu großen Brandabschnitten mit max. 1.200m2 zusammengefasst und somit die Maßnahmen zur Reduzierung des Brandüberschlages minimiert werden.