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Wohnhausanlage Bad Vöslau

Bad Vöslau, NÖ
Neubau, 2016
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Heimat Österreich gemeinnützige Wohnungs- und SiedlungsgmbH.
Wettbewerbsbeitrag 2. Platz

Städtebau
Die Grundstücke der ehemaligen Gärtnerei Chwala in Bad Vöslau zeichnen sich durch ihre hervorragende Lagegunst im Zentrum der Stadt aus, sind jedoch durch den unruhigen Grenzverlauf und die Lage der Nachbarhäuser sehr schwierig zu bebauen. Die verordneten Bebauungsbestimmungen (Bauklasse IV bzw. III, Dichte 1,8) können durch die gewählte Bauform des vorliegenden Projektes jedoch voll ausgenutzt werden. Die Grenze zwischen den beiden Grundstücken mit je einem wohnbaugeförderten und einem freifinanzierten Bauteil wird neu festgesetzt, wobei auf die Abstandsregeln der NÖ BO Bezug genommen wird. Der westliche Baukörper mit insgesamt 70 betreuten Wohnungen bildet einen H-förmigen Grundriss, der in seiner Mitte in zwei Bauabschnitte geteilt werden kann. Der östliche L-förmige Baukörper mit 24 (+3) Wohnungen kuppelt an seiner Nord- und Ostseite an das bestehende Nachbargebäude und orientiert sich somit ausschließlich nach Süden und Westen. Die Höhenentwicklung der Gebäude und in Abhängigkeit davon die seitlichen und hinteren Bauwiche folgen in ihrer Berechnung exakt den Bestimmungen des §50 NÖBO. Jeweils 15m Gebäudefront werden im Abstand H/2, danach in einem Abstand von H errichtet. Die Abstände der neuen Gebäude zu den gewidmeten Verkehrsflächen im Norden und Westen des Grundstückes entspricht jeweils H bis zu den Baufluchtlinien bzw., Bestandsgebäuden auf den nachbarlichen Grundstücken.
Das bestehende Wasserbecken wird vollständig abgetragen. Für den Weiterbestand des Baches wurde Sorge getragen, dieser kann entlang der südlichen Grundgrenze vollständig außerhalb des Gebäudes und der Tiefgarage in verrohrter Form bestehen bleiben. Ein Unterdükerungsbauwerk auf Eigengrund gewährleistet die Querung der Falkstraße.

Verkehr und Erschließung
Die innere Erschließung des Grundstückes ist derart angelegt, dass sowohl die unterirdische Tiefgaragenzufahrt als auch die Zufahrt auf Gartenniveau über das östliche Grundstück mittels Servitutslösung sichergestellt ist. Die drei anderen Zugangsmöglichkeiten beschränken sich auf Fußgängerverkehr bzw. im Südwesten zur Bahngasse im Bedarfsfall auf Einfahrtsfahrzeuge. Das Einfahren in das Grundstück ist grundsätzlich nur dem Betreuerteam des betreuten Wohnens, den Müllfahrzeugen, Liefer- und Servicediensten sowie Taxifahrzeugen vorbehalten. Ein Umkehrplatz im äußersten Süden garantiert die flüssige Befahrbarkeit, fünf Stellplätze sind hier zusätzlich vorgesehen. Die Vorfahrt am Gebäude Ost dient gleichzeitig als Ausweichmöglichkeit für evtl. Gegenverkehr sowie als Standplatz für das Müllfahrzeug. Die Einfahrt in die Tiefgarage erfolgt ausschließlich an der Falkstraße über eine zweispurige Rampe im Gebäude. Insgesamt stehen 85 Stellplätze zur Verfügung, davon 35 für die betreuten Wohnungen sowie 50 für die freifinanzierten (45 in Tiefgarage und 5 auf Gartenniveau). Im Eingangsbereich beider Gebäude stehen ausreichend Stellplätze für Fahrräder zur Verfügung.

Funktion
Das Gebäude des betreuten Wohnens beherbergt insgesamt 64 Zwei-Zimmer-Wohnungen sowie 6 Drei-Zimmer-Wohnungen (10%) und ist derart aufgebaut, dass es in zwei Bauabschnitten errichtet werden kann. Jeder Bauabschnitt verfügt über ein Stiegenhaus sowie einen behindertengerechten Aufzug. Die Allgemeinräume des betreuten Wohnens liegen ideal situiert im Erdgeschoss unmittelbar am Zugangsbereich und verfügen über eine großzügige südorientierte Außenterrasse sowie einen überdeckten loggienähnlichen Bereich nach Osten. Dieser überblickt den unmittelbar angrenzenden Kinderspielplatz, der ebenfalls mittels einer Servitutslösung auf dem Grundstück des betreuten Wohnens situiert wurde. Generationenübergreifende Kommunikation ist somit garantiert. Alle Wohnungen verfügen über eine Loggia, da die Anordnung von Balkonen in den Bauwichen gemäß NÖBO auf 5m beschränkt wäre. Die betreuten Wohnungen selbst verfügen über einen Idealgrundriss mit zwei Zimmern, die beide einen Ausgang auf die Loggia besitzen. Eine kleine Kochzeile, ein behindertengerechtes Bad sowie ein großzügiger Abstellraum komplettieren das Raumprogramm. Jedes Stockwerk besitzt im Bereich des Aufzuges und des Stiegenhauses einen kleinen Verweil- und Aufenthaltsbereich mit Tageslicht. Das zurückgesetzte fünfte Geschoss beherbergt weitere sechs Wohnungen mit jeweils vorgelagerter Dachterrasse. Das Gebäude im Osten des Grundstückes beherbergt 24 freifinanzierte Wohnungen, die ausschließlich nach Süden und Westen orientiert sind und ebenfalls Loggien erhalten. Eine sehr große Wohnung im SW jeden Geschosses kann mittels Einliegerwohnung oder abzutrennendem Büro verkleinert werden. Die Erschließung aller Wohnungen erfolgt an der Grundgrenze und wird mittels Oberlichtern mit Tageslicht versorgt. Drei Vollgeschosse werden durch ein zurückgesetztes Geschoss ergänzt. Auch hier werden diese Wohnungen mit vorgelagerten Dachterrassen ausgestattet.

Gestalterisches
Die Volumina der Gebäude und deren Fassaden werden durch besondere Betonung der Geschossdecken sowie Füllung der zwischenliegenden Teile mit abwechselnd Loggien, Fenster- und Mauerwerksflächen zu einem teppichartigen Muster gegliedert. Die Mauerwerksflächen sind idealerweise aus Klinkerziegel-Fertigteil-Elementen gefertigt, bei ökonomischem Druck ist auch ein VWS-Verbundsystem vorstellbar. Bei der Gestaltung der Fenster wird besonderes Augenmerk auf die Ausbildung von raumhohen Glasflächen gelegt, da die späteren Bewohner in jeder Lebenssituation (vorwiegend sitzend oder liegend) eine Aussicht aus ihrer Wohnung genießen sollen. Die beiden Zugangsbereiche zu den einzelnen Gebäuden, beim freifinanzierten Gebäude entlang der Garagenrampe, beim betreuten Wohnen entlang der Allgemeinräume, sind gedeckt ausgeführt, um eine jeweils angenehme, intime Stimmung zu provozieren. Die Erschließungskerne sind in beiden Gebäuden, wie bereits erwähnt, jeweils mit Oberlichtern bzw. seitlichem Tageslicht ausgestattet. Es ist weiterführend beabsichtigt, im Inneren der Gebäude warme und haptisch angenehme Materialien zu verwenden.

Technisches
Das Keller- und Garagengeschoss wird als dichte Stahlbetonwanne ausgeführt, ebenso sind alle Decken in Stahlbeton vorgesehen. Je nach Detailstatik ist durchaus vorstellbar, zumindest die oberen Geschosswände in Ziegelbauweise zu errichten. Die Fassaden werden, wie bereits beschrieben, je nach finanziellen Verhältnissen, als vorgehängte Systeme oder aber auch in VWS ausgeführt. Alle Dachflächen werden als Flachdächer, entweder als Warm- oder Umkehrdachsystem ausgebildet. In haustechnischer Hinsicht sind Wohnraumlüftungssystem vorgesehen, entweder als Einzel- oder Zentralanlagen. Als Wärmesystem wird, wenn vorhanden, Fernwärme oder alternativ eine reversible Wärmepumpe zum Einsatz kommen. Der Einbau von Kühlgeräten, entweder im Verband mit einer Wärmepumpe oder als Split-Einzelgeräte zählt im Bereich des freifinanzierten Wohnens bereits zum Ausstattungsstandard.