schließen

Kompetenzcenter Gesundheitsvorsorge und Prävention Sitzenberg

Sitzenberg, NÖ
Neubau, 2017
schließen

Versicherungsanstalt öffentlich Bediensteter
zweistufiges öffentliches Wettbewerbsverfahren
Arge Maurer-Zieser
Wettbewerbsbeitrag 2. Platz

Projekt
Erfolgreiche Therapie und Vorsorge zu einem gesunderen und zufriedeneren Lebensstil bedeutet für dieses Projekt vor allem Reduktion von Geschwindigkeit und Druck bei den Gästen und Patienten. Die Gebäude schaffen den Rahmen für die Möglichkeit zur tieferen Erkenntnis und Selbstwahrnehmung. Ziel des Aufenthaltes ist vor allem eine innerliche Entspannung. Die verwendeten Materialien, die Zeichenhaftigkeit der Architektur und vor allem die Nähe und Einbettung in die Natur und in die umgebende Landschaft sollen positiv rückwirken auf die Menschen. Die Bauwerke sind gleichsam Rahmen und Hintergrund für einen vielfältigen, kontemplativen Außenraum.

Idee
Das Grundstück besitzt ideale Voraussetzungen, um im Zusammenspiel mit der Architektur eine größtmögliche Unterstützung für das Projektziel zu gewährleisten, namentlich die Gewährleistung des therapeutischen und psychologischen Erfolges während eines Aufenthaltes. Die Einbindung der umgebenden Landschaft, die Ausbildung von präzise und kontemplativ gestalteten Freiräumen sowie die animierenden Wege zwischen den einzelnen Funktionsbereichen sind untrennbar mit dem Erfolg des Aufenthaltes verbunden, sie sind wesentlicher Bestandteil der Therapie. Die Aufgabe der Architektur ist es, Konzepte und räumliche Bilder zur Verfügung zu stellen, die sich fernab „normaler“ Hotelarchitektur oder städtisch anmutender Großvolumina präsentieren. Die Lage am Hang und die Einbindung der Bauten in und mit den Höhenschichtlinien werden zu Metaphern für Gesundheit und Lebensfreude. Mediterrane Bilder standen hier nicht zufällig an vorderster Stelle.

Städtebau
Trotz des Bemühens, die Entwicklung eines städtischen, großen Volumens zu vermeiden, wurde Wert darauf gelegt, die einzelnen Funktionsbereiche in kompakten und energetisch effizienten Gebäuden unterzubringen. So entstanden im wesentlichen vier Gebäude, zwei für die Unterbringung der Gästezimmer und je eines für die Allgemeinfunktionen und Verwaltung sowie für den gesamten Therapie-, Pflege- und Medizinbereich. Wie bereits oben erwähnt werden diese Gebäude hangparallel im etwas steileren, südlichen Grundstücksteil angeordnet, um die hervorragende Aussicht in die Umgebung, die eigene, tiefer liegende Parklandschaft und insbesondere auf das Schloss Sitzenberg-Reidling optimal zu gewährleisten. Durch die Ausbildung einer grünen, die Gebäude verbindendenden Erschließungsachse im Außenraum werden die einzelnen Gebäude und ihre Volumina als maßstäblich dem Ort angemessen empfunden werden.

Verkehr und Erschließung
Die Anlage wird etwa in der Mitte der östlichen Grundstücksgrenze erschlossen, die Zubringerstraße führt „den Hang hinauf“ vorbei an den Servicefunktionen Ladehof und Tiefgarage und dann weiterführend zur innenhofartigen Vorfahrt sowie den im Außenraum angeordneten Parkplätzen. Diese Parkplätze sind gegenüber dem Hauptniveau abgesenkt und mit Bäumen bepflanzt, sodass sie weder von diesem aus noch von der Straße auffallend wahrgenommen werden und der Blick darüber hinweg schweift. Allein die Auffahrt zur Anlage hat damit erlebnishaften Charakter. Alle Serviceeinheiten der Gastronomie liegen auf der Ebene des Ladehofes auf -1/+206.00 im unmittelbaren Anschluss an diesen. Werkstätten und Wäscheräume liegen auf Ebene 0/+210.00 mit eigener Zufahrt und Anliefermöglichkeit. Die Lage der Gebäude in den Höhenlinien des Hanges macht es möglich, eine vielfach gestaltete, terrassierte Landschaft zwischen den Häusern zu etablieren und sie mit zahlreichen Gehwegsverbindungen zu verbinden. Eine einzige, möglichst kurz gehaltene, wettergeschützte Verbindung zwischen Wohnhäusern und Haupteinrichtungen liegt auf Ebene 0/+210.00, wieder an einer Geländestufe, und mündet unmittelbar am Erschließungskern. Das Foyer an seiner zentralen Stelle besitzt Verteilfunktion und ist neben dem zweigeschossigen, ebenfalls an einer Hangkante sitzenden Spielsaal kommunikativer Haupttreffpunkt mit Rezeption, Cafeteria, Wintergarten und Außenterrasse nach Südwesten. Die Tiefgarage beherbergt wie gefordert 120 PKW-Stellplätze, im Außenbereich wurden weitere xx angeordnet. Der Ausgang aus der Tiefgarage mündet ebenfalls unmittelbar am Erschließungskern und damit im Foyer. Es wurde insgesamt getrachtet, so wenige wie möglich Aufzugsanlagen zu planen, einerseits um Betriebskosten zu vermeiden und aber andererseits „Stiegensteigen“ unaufdringlich zu fördern. Insgesamt wurden vier Aufzugsanlagen geplant. Einer dieser Aufzugsanlagen verbindet im zentralen Kern die Tiefgarage, das Foyer sowie allen Ebenen des Therapie- und Medizingebäudes, ein weiterer, im Wesentlichen nur von den Mitarbeitern genutzter, die Küche mit der Ebene des Foyers und damit die Verwaltung, das Seminarzentrum und die Cafeteria, was eine optimale Versorgung dieser Einheiten garantiert. Je eine Aufzugsanlage wird in den Wohngebäuden errichtet. Auf eigene Service-Aufzüge wurde im Sinne einer Betriebsoptimierung verzichtet. Im unmittelbaren Bereich der Tiefgarageneinfahrt wird der Fahrradraum angeordnet, um sofortige Ausfahrten zu ermöglichen.

Funktionen
Die Orientierung einzelner Funktionen nach Himmelsrichtungen spielt bei diesem Projekt insgesamt weniger Rolle als üblich, die der stete Bezug zur großzügigen Außenlandschaft niemals das Gefühl eines Mangels an Sonnenlicht aufkommen lässt. Im Gegenteil, es wurde getrachtet, sonnenempfindliche Funktionen wie Speisesaal, Foyer oder Seminarzentrum nicht nach Süden zu orientieren, um Überhitzungsprobleme und Blendung zu vermeiden. Auch jener Teil der Gästezimmer, die nach Norden gerichtet sind, sind nicht benachteiligt, sondern werden mit der großartigen Sicht auf die Parklandschaft sowie auf das identitätsstiftende Schloss belohnt. Wie bereits oben erwähnt wurde bei der Grundrissgestaltung der einzelnen Gebäude großer Wert auf Sparsamkeit und Kompaktheit gelegt, ohne dabei die Funktionstüchtigkeit zu beeinträchtigen. Das Therapie- und Medizingebäude wurde demgemäß als dreihüftige Anlage ausgebildet, in der Aufenthalts- und Warteinseln eingestreut sind. Somit bleiben die Wege kurz, die Zusammenarbeit der Mitarbeiter sowie die Orientierung der Gäste werden optimal unterstützt. Sämtliche geforderte über die gesamte Anlage verteilte Funktionen wie Sanitäranlagen für Gäste und Mitarbeiter, Aufenthaltsbereiche oder die diversen Lager für Gartenmöbel wurden untergebracht.

Architektur und Gestaltung
Zentrale Aufgabe der Architektur abseits der Schaffung des sprichwörtlichen Daches über dem Kopf ist es, Geschichten zu erzählen, Bilder und Stimmungen in ihren Betrachtern und Nutzern zu evozieren. Menschen erleben Räume mit ihren Erfahrungen und Erinnerungen. Gute, dem Verwendungszweck verpflichtete Architektur erweckt eben diese guten und unterstützenden Werte und Gefühle und machen gelungene Gebäude zum gesamthaften, den Verwendungszweck tragendem Erlebnis. Bei diesem Projekt sind die Wahl der Gebäudesprache mit ihrer weißen, mediterranen Ausstrahlung sowie die Einbettung in die Hanglandschaft des Ortes wesentlicher und prägender Aspekt des Entwurfes. Die meisten Räume wurden im Hinblick auf ihre Einbindung in die vielfältigen innen- und außenräumlichen Beziehungen angeordnet, Einblicksmöglichkeiten wie z.B. in den Turnsaal oder die Trainingsräume für Kraft und Ausdauer sollen animierend und für alle Betrachter nutzbringend sein. Die Farbe Weiß wird sowohl im Innen- als auch im Außenraum eine dominante Rolle einnehmen. Ergänzt um helle Holz- und Steinböden (Eichenparkett und beispielsweise Donaukalk) sowie Sichtmauerwerk an den Geländestufen ergibt dies zu jeder Jahreszeit einen animierenden, positiv stimmenden Gesamtcharakter.

Außenraum und Landschaft
Das gebaute Projekt ist im Garten und der umgebenden Landschaft eingebettet. Die begrünten Terrassen und Innenhöfe stellen die Verbindung zum Grünraum der Umgebung dar. Durch die Anordnung entlang der Höhenlinien des Grundstückes wird diese Haltung noch weiter intensiviert, ebenso durch die Verwendung von heimischen, standortgerechten Pflanzen. Im Wesentlichen soll der Außenraum durch Bäume und hohe Gräser gegliedert werden, sodass kleinere, erlebbare Räume entstehen. Bei der Wegeführung kontrastiert und ergänzt ein geschwungener Rundgangweg die orthogonale Grundstruktur. Entlang der Pfade und Wege sind die einzelnen, im Raumbuch vorgesehenen Stationen angeordnet. Durch die Größe des zur Verfügung stehenden Grundstückes ist die Größe des Sportplatzes als variabel anzusehen, im gezeichneten Projekt wurde eine mittlere Größe angenommen. Die Ausrichtung ist entlang der Nord-Süd-Achse, um eine kleine Westtribüne zu ermöglichen. Am Nordende des Grundstückes, unmittelbar an der Straße, wird ein Infrastrukturgebäude zur Servicierung und Pflege der Gartenlandschaft errichtet. Entlang der neu zu errichtenden Begleitstraße an der Westgrenze des Grundstückes ist die Zufahrt mit Einsatzfahrzeugen möglich, ebenso wie über den Innenhof der Vorfahrt.