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Alpenbahnhof St.Pölten

St.Pölten
Neubau, 2016
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NÖVOG - NÖ VerkehrsorganisationsgmbH
zweistufiges Wettbewerbsverfahren
Arge Zieser - Macho
Wettbewerbsbeitrag

1. Baumassenmodell - Anordnung auf dem Bauplatz
Die beschränkten Platzverhältnisse und der schrägwinkelige Zuschnitt des Bauplatzes lassen wenig Spielraum bei der Anordnung der geplanten Gebäude und der Gleisharfen. Alternative Lösungen wurden im Zuge der hier vorgestellten Planung untersucht, doch stellt sich die vorgegebene nach Abwägung aller Vor- und Nachteile eindeutig als bestgeeignet heraus. Die Anordnung des Verwaltungsgebäudes in unmittelbarer Verbindung mit den Remisen und Werkstätten wird daher mehr als gestalterische Chance denn als Nachteil gesehen. Aus den einzelnen Baukörpern und deren Notwendigkeiten hinsichtlich Konstruktion und Belichtung wird mit einfachen Mitteln eine skulpturale Großform geschaffen, die ein wesentlichen Beitrag zur Identität und Unverwechselbarkeit des Standortes sowie des Gesamtunternehmens sein wird. Die Silhouette der neuen Betriebsstätte wird für die Fahrgäste aus Richtung Mariazell kommend einen unverwechselbaren und beeindruckenden Blickpunkt darstellen.

2. Eisenbahntechnik
Die eisenbahntechnischen Vorgaben und Rahmenbedingungen wurden im Sinne der vorliegenden Ausschreibung nicht geprüft, erscheinen jedoch im Hinblick auf Abmessungen, Radien und Schienenauslegung sowie der Interaktion von schmalspurigen und normalspurigen Gleissystemen gut überlegt und umsetzbar. Die Umsetzung von LKW-Fracht auf Schienenfracht sowie die Schwerlast-Zulieferung zu den einzelnen Verbrauchs- und Lagerpunkten ist nachvollziehbar und stimmig. Jedoch hat die besonders hohe Anzahl an Schnittstellen sowie der damit verbundenen Integrationsleistung der Architekturplanung mit den Konsulenten und Planern der Eisenbahntechnik (Fahrwege, Oberleitung, Sicherungstechnik, Werkstatt- und Lackiertechnik, ...) während des Planungsprozesses naturgemäß Folgen für den Honorarbedarf der Hochbauplanung. Dies ist im vorgelegten Honorarangebot berücksichtigt.

3. Funktionen - Erschließung
Die vorgegebenen Funktionen der eisenbahntechnischen Betriebsstätte wurden vollinhaltlich übernommen. Die Lage des Verwaltungsbaues wurde im vorliegenden Entwurf dahingehend modifiziert, dass das Gebäude der Remise Gleise 801 - 803 sowie jenes der nebenliegenden Werkstätte mit dem Eingangs- und Infocenterbereich des Verwaltungsgebäudes im Erdgeschoss und die Mitarbeiter- und Kundenverpflegung im 1. Obergeschoss zu einem Volumen verschmolzen wurde. In den darüber liegenden drei weiteren Obergeschossen (2. – 4. OG) ist der Raumbedarf der gesamten Verwaltung und Konferenzräume abgedeckt. Diese Anordnung garantiert extrem kurze Verbindungswege für die Mitarbeiter in den Werkstätten und Remisen ebenso wie jene in der Verwaltung. Die Anordnung von 5 Vollgeschossen im Verwaltungsgebäude kann hinsichtlich Kosteneffizienz, Statik und Größe der einzelnen Bürogeschosse als besonders gelungen bezeichnet werden. Der Besuchereingang, das Infocenter im EG und der Verpflegung im OG sind derart angeordnet, dass sich in Bezug auf die Lage der Remise Gleis 801 die Möglichkeit ergibt, Ein- und Durchblicke zwischen dieser und den beiden Kundenbereichen zu schaffen (z.B. Blick auf den dort abgestellten Ötscherbär oder die Mh.6).

4. Konstruktion – Ausbauraster
Unter Berücksichtigung einer kosteneffizienten und schnellen Herstellung der Remisen und Werkstattgebäude wird im vorliegenden Entwurf von einem klaren, den ganzen Gebäudekomplex umfassenden Konstruktionsraster ausgegangen. Sowohl die Rastermaße selbst als auch die sich daraus ergebenden Dimensionierungen der Stützen und Träger werden im Hinblick auf Statik, Transport und verfügbare Lieferlängen optimiert werden. Um den eisenbahntechnischen Anforderungen hinsichtlich Anfahrschutz, Brandwiderstand und Langlebigkeit zu entsprechen, wird von einer Stahlbeton-Fertigteilbauweise ausgegangen. Die Dächer sind, wenn aus brandschutztechnischen Gründen möglich, mit Trapezblech-Sandwichelementen errichtet. Alternativ dazu kann eine Ausführung in CLT-Bau-weise (cross laminated timber) untersucht werden. Als Fassade wird sowohl bei den eisenbahntechnischen Gebäuden als auch beim Verwaltungsgebäude von einer Aluminium-Sandwichbauweise mit Graffiti-Schutz oder gleichwertigen Fertigteil-Elementen ausgegangen. Letzteres besitzt zur Kostenoptimierung massive Parapete und ein Bandfenster-System, um den vorgegebenen Ausbauraster variabel einsetzen zu können (Anschluss von Trennwänden an jedem Rasterpunkt).

5. Belichtung
Durch die Anordnung der Remisen- und Werkstattgebäude zu ei- nem kompakten Baukörper erfährt die ausreichende Versorgung mit Tageslicht eine besondere Bedeutung. Die beiden Rand-Gebäude der Remise Gleis 801 – 803 und Erweiterungs-Remise 180m sind weitestgehend herkömmlich durch Seitenfenster zu belichten. Die innenliegenden Gebäudeteile werden im vorliegenden Entwurf über nach Norden gerichtete Shed-Oberlichter mit Tageslicht versorgt. Dies entspricht im Wesentlichen dem allgemein üblichen Industrie-Standard. Das Verwaltungsgebäude mit seiner dreihüftigen Anordnung von Arbeitsplätzen am Rande und einer Mittelzone liegt ideal ost-west-gerichtet. Die Kernzone wird im Norden des Gebäudes angeordnet. Die angesprochene Erweiterung wird nicht wie im M.O.O.CON-Konzept dargestellt in einem zweiten Bauabschnitt sondern durch eine bereits mitgeplante Aufstockung realisiert.

6. Gestaltung – skulpturale Qualitäten - Corporate Identity
Die Bedeutung qualitätsvoller Architektur liegt nicht in hohen Herstellkosten begründet, sondern in der Generierung eines deutlichen Mehrwertes bei gleichbleibenden Kosten. Dieser funktionale und gestalterische Mehrwert bedeutet für ein Unternehmen immer einen Gewinn an positiver Wahrnehmung und Identität, höherer Mitarbeiterzufriedenheit und letztlich spürbar verbesserter Effizienz. Der vorliegende Entwurf unternimmt den Versuch, bei absolut gleichbleibenden Herstellkosten die vorgegebenen Gebäudevolumina zu einer skulpturalen, ganzheitlichen Einheit zusammenzufassen. Vorbilder für diese Gestaltung finden sich vom Beginn der klassischen Moderne bis in die heutige Zeit bei Verkehrsbauten und –mittel aller Art. Die Dynamik der Bewegung eines Verkehrsmittels wird in eine das Statische durchbrechende Gestaltung der Gebäude und Fassaden übersetzt und abgebildet. Die Symbolik von Vogelschwingen und Stromlinien ist bewusst gewählt.